Industrie 4.0 Konzepte
(laufendes Projekt im Forschungsprogramm Weiterbildungskonzepte)
Hinweis: Zur leichteren Lesbarkeit sind bei rein femininen und maskulinen Schreibweisen immer beide Geschlechter gemeint.
Der Begriff Industrie 4.0 wurde 2011 eingeführt und wird mittlerweile für alle möglichen und unmöglichen Anwendungsfälle verwendet, die in einem Zusammenhang mit der Digitalisierung der Produktion stehen.
Es erscheint daher sinnvoll, eine Einführung in häufig verwendete Begriffen und Konzepte und Konzepte zu präsentieren. Die Zielgruppe ist ausdrücklich eine Nicht-Technische: Beispielsweise Manager, Weiterbildungswillige, Wissenschaftler, vielleicht auch Politiker, aus Wirtschaft und Verwaltung.
Sollten sich Ingenieure und Techniker hierher verirren so wird um das Verständnis ersucht; in manchen Fällen ist die Darstellung vielleicht zu vereinfacht. Das Ziel ist nicht, einer Leiterin der Abteilung Personalentwicklung die Kompetenz zu vermitteln, die technischen Konsequenzen der Digitalisierung eines Produktionssystems darlegen zu können.
Sie soll vielmehr in die Lage gebracht werden, in Teambesprechungen und Workshops ihre eigene Sichtweise einzubringen und gehört zu werden, ohne mit technischen Begriffen überfahren zu werden. Der Wandel zur Industrie 4.0 kann nur durch fachübergreifende Zusammenarbeit geplant und implementiert werden, und zwar sowohl unter Berücksichtigung technikzentrierter und nicht-technikzentrierter Sichtweisen.
Bei der Auswahl der zu präsentierenden Begriffe und Konzepte hat sich eine Einteilung ein technikzentrierte und nicht-technikzentrierte als sinnvoll erwiesen. Technische Konzepte sind vereinfacht dargestellt, häufig unterstützt mit Promotionsvideos aus der Wirtschaft.
Nicht-technische Konzepte beziehen sich hauptsächlich auf die Konsequenzen, die sich für die Weiterbildung ergeben.
Argumentation für eine nicht-technikzentrierte Sichtweise
Technikzentrierte Studien sind naheliegend und notwendig. Sie liefern die Grundlagen für Ingenieure und Techniker zur Planung, Implementation und Durchführung neuartiger Produktionsprozesse.
Produktionseinheiten sind jedoch eingebettet in größere organisatorische Einheiten, diese wiederum in Einheiten von Wertschöpfungsketten. Durch komplexe Netzwerke von Mensch, Maschine und Computer ergeben sich makroökonomische und gesellschaftliche Zusammenhänge.
Humanwissenschaftler (beispielsweise aus den Wissensgebieten Betriebswirtschaft, Soziologie, Erziehungswissenschaft) argumentieren für eine nicht-technikzentrierte Sichtweise, mit unterschiedlichen Fragestellungen, darunter:
-
Ist ein neuartiger Produktionsprozess alleine dadurch gerechtfertigt, dass er technisch machbar ist?
-
Sind technische Aspekte (höhere Geschwindigkeit und Genauigkeit bei gleichbleibenden oder sogar niedrigeren Kosten) alleine ausreichende Kriterien?
-
Wie weit sind die betriebswirtschaftlichen Konsequenzen in einem komplexen virtuellen Produktionsnetzwerk, das sich (teilweise) selbst konfigurieren kann, noch überschau- und kontrollierbar?
-
Wie ist das Verhältnis eingesetzte Ressourcen zum Output? Welche Ausschusshöhe ist noch gerechtfertigt (nicht nur finanziell), um Genauigkeit oder Geschwindigkeit minimal zu erhöhen?
-
Welchen Stellenwert hat die Ressource "Mensch", auch hinsichtlich der sich ständig verändernden Kompetenzanforderungen (evtl. von Produktionsauftrag zu Produktionsauftrag)?
-
Wie können die sich ständig verändernden Kompetenzanforderungen in einer möglichst langfristig gültigen Taxonomie von Kompetenzprofilen dargestellt werden?
-
In welchen Bildungsbereichen (formal, nichtformal, informal) sollen die unterschiedlichen Kompetenzprofile vermittelt werden, in welcher Form soll die Vermittlung, die Überprüfung und ihre Anerkennung stattfinden?
-
Gegeben eine zunehmende Verflechtung von Mensch und den ständig zur Produktion verfügbaren Ressourcen (CPS: Cyber-Physische-Systeme; siehe Dokument Technikzentrierte Konzepte; öffnet im eigenen Fenster), welche Konsequenzen und Anforderungen ergeben sich für den Menschen hinsichtlich seiner Verfügbarkeit?
-
Sollen sich CPS (Cyber-Physische-Systeme) über menschliche Entscheidungen hinwegsetzen oder diese aussetzen können? Wie können damit verbundene Verantwortlichkeiten und ethische Richtlinien verankert werden?
Die genannten Fragestellungen sind beispielhaft zu sehen und nicht erschöpfend. Sie sollen den Unterschied zu den Fragestellungen der technikzentrierten Sichtweise veranschaulichen.