Beschreibung der Vorstudien
2. Empirie Modelle I und II
(in Bearbeitung)
Zur Beschreibung der Modelle (Link öffnet im neuen Fenster)
Die Konstrukte des Modells I wurden nicht vollständig operationalisert, Erhebungen konnten daher auch nicht stattfinden. Erhebungen zur abhängigen Variable Subjektiver Lernerfolg werden hier beschrieben (Link öffnet im neuen Fenster).
Im Modell II wird die Einstellung zum subjektiven Lernerfolg in Abhängigkeit vom Persönlichkeitsprofil Lernender betrachtet. Es handelt sich um eine Vereinfachung des Modells I, von dessen unabhängigen Variablen das Konstrukt Umweltprofil vollständig entfernt wurde und die Operationalisierung des Konstrukts Persönlichkeitsprofil durch Verfügungsgewalt über Zeit ersetzt wird:
Stellvertretend für Lebenswelt wird erhoben, wie weit Personen glauben, über die Zeit, die sie für ihre Tagesaktivitäten brauchen, verfügen zu können.
Unterschieden wird in folgende Verfügungsarten:
- Zeit frei verfügbar (F)
- Zeit bedingt / beschränkt verfügbar (B)
- Zeit nicht verfügbar (N).
Erhoben werden nur Aktivitäten im wachen Zustand, für einen typischen Arbeitstag (kein Schlaf, keine Krankheit). Die Erhebungseinheit ist in vollen und halben Stunden.
Pretest I
Den Studierenden eines Masterseminars (n = 10) am Fachbereich Erziehungswissenschaft der Universität Salzburg wurde ein einfacher Fragebogen vorgelegt, der von der wachen Zeit eines Wochentages Tageszeit und Art der Aktivität erheben soll. Neben der Art und Länge der Aktivität sollte auch die Verfügungsart angegeben werden.
Beispielantwort:
Es stellte sich heraus, dass dazu umfangreiche und zeitaufwändige Erklärungen notwendig waren, sodass sich diese Erhebung als nicht praktikabel heraus stellte.
Pretest II
Zur Verbesserung des ersten Pretests wurden aus den daraus gewonnenen Aktivitäten Kategorien gebildet und mit denjenigen Kategorien verglichen, wie sie vom Statistischen Bundesamt Berlin für die "Zeitverwendung für spezifische Tätigkeiten" erhoben werden. Folgende zusammengeführte Kategorien konnten gebildet werden:
- Persönlicher Bereich / Schlaf
- Erwerbstätigkeit
- Weiterbildung
- Haushalt / Familie
- Soziales Leben / Medien / Sport und Spiele.
Um einen Hinweis zur Validität der Erhebung zu erhalten wurden die erhobenen durchschnittlichen Werte mit denjenigen des Statistischen Bundesamts von 2001 (s. Schmidt-Lauff, 2008, 207) verglichen:
Den fehlenden Stunden zum 24-Stundentag muss nicht nachgegangen werden. Der größte Unterschied ist in der Kategorie Weiterbildung, der durch die Stichprobe des Pretests erklärt werden kann: alle Probanden befanden sich in einer Weiterbildung. Alle anderen Werte sind annähernd gleich; die Angabe von 7,5 Stunden für Erwerbstätigkeit des Statistischen Bundesamts könnte hinterfragt werden (es wurden die Werte für Vollzeitbeschäftigung entnommen). Die geringe Stichprobengröße ist zwar grundsätzlich problematisch, es darf aber vermutet werden, dass es sich beim Pretest II um eine valide Erhebung handelt, da sich die erhobenen Werte nur unwesentlich von den Werten einer Grundgesamtheit in Millionenhöhe unterscheiden.
Es stellt sich nun die Frage, wie weit die erhobenen Zeitverfügbarkeiten hilfreich sind, ein Persönlichkeitsprofil (hinsichtlich der Verfügungsgewalt über Zeit) zu erstellen, und in Folge die Lebenswelt eines Probanden zu charakterisieren. Voraussetzung dafür ist eine reliable Erfassung und Unterscheidung der Ausprägungen freie / beschränkt freie / nicht freie Zeitverfügung. Der Erklärungsbedarf für Probanden war bereits beim Pretest I beträchtlich, für diese Erhebung wurden den Fragen umfangreiche Erklärungen bereitgestellt.
Die Erhebung wäre nicht reliabel wenn zwei Probanden für die gleiche Kategorie von Verfügungsgewalt über Zeit unterschiedliche Ausprägungen wählten. Dazu wurde die Kategorie Soziales Leben / Medien usw. näher analysiert. Im Durchschnitt verteilen sich die 3,7 Stunden über die drei Ausprägungen frei / beschränkt frei / nicht frei etwa 20% : 40% : 40%. Die Gleichverteilung bei den Ausprägungen beschränkt frei und nicht frei gibt Anlass zur Frage, wie weit Probanden diese Ausprägungen in gleicher Weise verstehen.
Die Erklärungen im Fragebogen dazu lauten wie folgt:
Beschränkt verfügbare Zeiten sind für Tätigkeiten, die Sie zwar auch mal ausfallen lassen können, allerdings müssen Sie mit Konsequenzen rechnen (wenn auch nicht mit ernsthaften); der Besuch einer Uni Vorlesung wäre ein Beispiel.
Nicht frei verfügbar sind Zeiten für Tätigkeiten, die Sie ohne ernstliche Konsequenzen nicht ausfallen lassen können, beispielsweise Erwerbsarbeit oder ein Seminar an der Uni, wenn Sie schon oft gefehlt hatten und dann gestrichen werden.
Da die Probanden so gewählt wurden, dass nach der Online – Erhebung persönlicher Kontakt möglich war, wurde telefonisch nachgefragt, nach welchen eigenen Kriterien die unterschiedlichen Ausprägungen gewählt wurden. Dabei stellte sich heraus, dass das Kriterium "mögliche Konsequenzen" unterschiedlich verstanden werden kann. Einmal, als ernsthafte Konsequenz für eine grundsätzliche Nichtteilnahme beim gemeinsamen Abendessen (auch wenn die übrigen Familienmitglieder Verständnis zeigen, beispielsweise wegen Weiterbildung); in diesem Fall wurde die Ausprägung nicht frei gewählt. Eine andere Probandin wählte für eine fast identische Situation die Ausprägung beschränkt frei, da keine ernsthaften Konsequenzen seitens der übrigen Familienmitglieder zu erwarten waren.
Ähnliches zeigte sich bei der Kategorie Erwerbsarbeit. Das Verständnis, dass die Nichtteilnahme am Arbeitsleben Konsequenzen nach sich zieht war zwar grundsätzlich gleich, problematisch war aber wieder die Unschärfe des Begriffs "Ernsthaftigkeit".
Die Reliabilität dieser Erhebung wurde damit als nicht gewährleistet angesehen. An dieser Stelle wurde entschieden, das Modell II nicht weiter zu verfolgen.