Beschreibung der Hauptstudie

4. Planung des Erhebungsinstruments: Online - Fragebogen ISLE-1

Zitation: Hamminger, Leopold (2020). Hauptstudie "Subjektiver Lernerfolg". Planung des Erhebungsinstruments: Online - Fragebogen ISLE-1. Ebensee: EVVHS.

Korrespondenz an: l.hamminger (at) evvhs.eu

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Link zum Download des Fragebogens


Zur empirischen Überprüfung dieses Modells wurde der Fragebogen ISLE-1 (Instrument Subjektiver Lernerfolg Version 1 - 2019) für eine online Befragung konzipiert. Mit 25 Items sollen auf einer sechsstufigen Likertskala (1 - niedrigste / 6 - höchste Zustimmung) die subjektiven Vorstellungen von Lernerfolg erhoben werden (es existieren keine invers formulierten Items).

Bei der Planung der Items wurde die besondere Situation der Zielgruppe (berufstätig Studierende) berücksichtigt. Die Erhebungssituation ist nicht vergleichbar mit beispielsweise einer, bei der Studierende im Rahmen einer Lehrveranstaltung einen Fragebogen ausfüllen, mit genügend Zeit zur Verfügung. Erfahrungen aus früheren Erhebungen mit dieser Zielgruppe zeigen, dass diese Personen unter einem besonders hohen Zeitdruck stehen. Häufig wird der Fragebogen spät abends, nach Beruf, Familie und Lernzeit ausgefüllt. Die Gefahr, dass Antworten unreflektiert oder nicht ernsthaft verfasst werden, steigt stark mit der Zeit, die zur Beantwortung benötigt wird. Sowohl die Validität als auch die Reliabilität der Erhebung ist damit gefährdet.

Testtheoretisch wären eine höhere Anzahl von Items wünschenswert. Auch für die Interpretation der Faktoren bei der explorativen Faktorenanalyse (siehe Planung zum empirischen nachweis der Dimensionen; Link öffnet im neuen Fenster) wären mehr als zehn Items je Dimension hilfreich. In diesem Forschungsprogramm wird der Weg gegangen, eine möglichst geringe Anzahl von Dimensionen je Erhebung empirisch zu überprüfen.  

Bei geschlossenen (Likert - skalierten) Fragen zu persönlichen Einstellungen - also solchen, die nicht wahr oder falsch beantwortet werden können - scheint eine Obergrenze zwischen 20 und 30 Items sinnvoll. Es müssen aber auch noch andere Faktoren berücksichtigt werden:

  • Anzahl der Skalenausprägungen. Es ist bekannt, dass eine ungerade Anzahl von Ausprägungen zur Antwortendenz zur Mitte führen kann, auch weil dies die Antwortzeit verkürzt. Es sollte daher eine gerade Anzahl, die aber sechs nicht überschreiten soll, verwendet werden. Das in der Literatur erwähnte damit verbundene Problem  der Nichtbeantwortung konnte bei früheren Erhebungen nicht festgestellt werden.
  • Möglichst kurze, leicht verständliche Fragen,  bzw. zu beurteilende Aussagen, die gleichzeitig die zu erhebenden Einstellung repräsentieren sollen. Diese Forderungen sind aber nicht notwendigerweise kompatibel: sie können Antinomien bilden. Eine kurze, prägnante Formulierung erhebt nicht notwendigerweise die gesuchte Einstellung. Ein Beispiel aus diesem Fragebogen: "Ich interessiere mich nun mehr über den Lerngegenstand". Es handelt sich offensichtlich um eine kurze, leicht verständliche Formulierung. Erhoben werden soll, ob zunehmendes Interesse am Lerngegenstand als Lernerfolg verstanden wird. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass Probanden dahingegend antworten, ob dieses zunehmende Interesse tatsächlich auch eingetreten ist. Dieses Item erhielt bei der explorativen Faktorenanalyse eine gerade noch akzeptable Ladung von 0,362 und muss als eher wenig geeignet gelten.
  • Fragen, bzw. zu beurteilende Aussagen, die der Lebenswelt der Probanden entsprechen. Ein Beispiel aus diesem Fragebogen: "Ich mache mir keine Sorgen mehr über fehlende Anerkennung von Menschen, die mir wichtig sind". Mit diesem Item wird zu erheben versucht, ob Probanden Lernerfolg auch darin sehen, dass sie  andere Menschen - die ihnen etwas bedeuten - durch schlechte Lernleistungen enttäuschen. Die positive Formulierung "Ich mache mir keine Sorgen mehr .." soll sozial erwünschte Antworten vermeiden. Diese Formulierung ist weder kurz, noch sehr einfach. Sie spricht aber ein ganz spezifisches Lebensweltproblem berufstätig Studierender an: Oft müssen Nahestehende auf die besonderen Bedürfnisse der Lernenden Rücksicht nehmen. Deren Reaktion auf beispielsweise schlechte Noten kann auf die Einstellung zum subjektiven Lernerfolg relevant sein. Trotz der eher schwierigen Formulierung konnte dieses Item bei der explorativen Faktorenanalyse eine hohe Faktorladung von 0,738 erreichen.  
  • Einleitender Text. Um die Gefahr des "Überfliegens" (wiederum aus Zeitgründen oder mangels Motivation) zu reduzieren, wurde dieser Text kurz gehalten. Die Wichtigkeit der Erhebung für eine wissenschaftliche Studie wurde bereits im Anschreiben betont. Bei Probeläufen stellte sich heraus, dass umfangreiche Erklärungen zu den Items hinderlich sein konnten und die Probanden angesichts der eigentlichen Fragen die Beantwortung abbrachen. 
  • Passender Umfang der demografischen Fragen. Bei der Planung des Fragebogens ist man häufig versucht, so viel als möglich an demografischen und ähnlichen Daten zu erheben. So könnte ein besseres Verständnis der jeweiligen individuellen Lernsituation (bspw. hinsichtlich zeitlicher und finanzieller Ressourcen) interessant sein, da die Vermutung nahe liegt, dass die Lernsituation Auswirkung auf die Einstellung zum subjektiven Lernerfolg hat. Aus den bereits beschriebenen Gründen wurde jedoch bei dieser Erhebung darauf verzichtet. Statt dessen sind weitere qualitative Untersuchungen geplant.
  • Anonymisierungscode. Aus Gründen des Datenschutzes (um die erhobenen Daten getrennt von der Identität der Probanden speichern zu können) wird ein vierteiliger persönlicher Code erhoben, der sich aus Teilen des Namens und Geburtsdatums von Mutter zusammensetzt. Die Erfahrungen aus früheren Erhebungen haben gezeigt, dass ein beliebiger vier- oder sechsstelliger Code nicht ausreicht. Insbesondere die Angabe eines Beispiels (z.B. "Xab175") führte dazu, dass mehrere Probanden genau dieses Beispiele übernahmen und damit Duplikate erzeugt wurden.
  • Zustimmungserklärung. Das derzeitig gültige Datenschutzgesetz (Stand 2020) verlangt eine explizite Zustimmung zur Teilnahme an der Umfrage. Darauf wird in einer eigenen Frage Rücksicht genommen. Ebenso ist ein Link zur Einsicht in die Datenschutzerklärung angebracht.
  • Nach den eigentlichen Items haben Probanden die Möglichkeit durch die Angabe ihrer eMail - Adresse die Zustimmung für eine weitere Umfrage zu geben. Dies ist wünschenswert, da diese Erhebung Teil eines umfassenderen Forschungsprogrammes ist. Ein weiteres offenes Textfeld erlaubt die Angabe eines Kommentars zum Fragebogen bzw. zur Umfrage. In früheren Erhebungen wurde dieses Feld auch für konstruktive Kritik benutzt, die zu einer Verbesserung der Erhebung dienen kann.     

Für die Administrierung des Fragebogens an berufstätig Studierende der Betriebswirtschaft einer deutschen Fernhochschule (Modul Statistik) wurden eingangs Fragen nach den bereits absolvierten Modulen, dem beabsichtigten Zeitpunkt der Klausur, sowie zu demografischen Angaben gestellt (Geschlecht, Erstsprache, Alter, höchster Bildungsabschluss, Berufserfahrung. 

Die Zuordnung der Items zu  den Dimensionen des theoretischen Modells sind im Kapitel Empirische Ergebnisse (Link öffnet im neuen Fenster).

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